Norba – Norma


Norma 131231 021Besuch in einer vorrömischen Stadt

Pianta generale_NorbaWer die alte Stadt Norba sucht muss nur den Gleitschirmfliegern folgen. Die Ausgrabungen der antiken Stadt liegen auf einem Hochplateau, dass 350 Meter steil zur Pontinischen Ebene abfällt. Wenn man sich die Serpentinen zum modernen Dorf Norma hinaufgeschraubt hat findet man am Ortsrand den Parkplatz, wo sich an schönem Wetter immer die Paraglider-Community trifft um dann mit den Gleitschirmen in den riesigen Rucksäcken an die Kante des Steilabfalls zu pilgern. Selbst wenn man nicht vorhat sich dort hinunter zu stürzen, lohnt sich doch die weite Aussicht. Über die grüne Ebene wandert der Blick zum Meer. Bei guter Sicht sieht man den Monte Circeo, auf dem einst die Zauberin Circe Odysseus verführt haben soll. Dahinter erkennt man die Pontinischen Inseln. Der Historiker Ferdinand Gregorovius hielt 1860 diesen Blick für „Den Anblick eines Gemäldes, eines der schönsten, welches Italien überhaupt besitzt“.

Doch wir sind ja nicht nur wegen der Aussicht gekommen. Oberhalb des Parkplatzes treffen wir auf die Stadtmauer die in Zyklopenbauweise ca. 340 v.Chr. errichtet wurde. Hier öffnet sich die zwölf Meter hohe Porta Maggiore mit einer Art Rundturm in die antike Stadt. Norba war eine Stadt der Volsker, dem südlichen Nachbarvolk der Latiner, die bis ins 4. Jahrhundert v.Chr. mit den Römern im Krieg lagen. Laut dem römischen Historiker Titus Livius wurde Norba bereits 492 v.Chr. römische Kolonie. Wahrscheinlich war dies aber später. Sicher ist, dass es beim Kampf gegen Hannibal bereits treu an der Seite Roms kämpfte. Im Bürgerkrieg des ersten Jahrhundert v.Chr. setzte man jedoch aufs falsche Pferd und verbündete sich mit dem Konsuln Marius. Dessen Gegner Sulla eroberte jedoch 81 v.Chr. die Stadt durch Verrat. Um nicht in Gefangenschaft zu geraten sollen die meisten Bewohner Selbstmord begangen haben in dem sie sich in die Flammen ihrer brennenden Häuser warfen. Erst im Mittelalter wurde das Hochplateau wieder besiedelt. Das heutige Norma wurde jedoch etwas östlich am Ende des Felssporns gegründet.

Direkt hinter der Porta Maggiore kann man zur sogenannten kleinen Akropolis hinauf steigen. Dort standen einst zwei Tempel. Für welche Gottheiten ist unbekannt. Der kleinere Tempel wurde im Mittelalter noch als Kirche genutzt. Heute bleiben von beiden nur die Grundmauern. Von hier hat man einen guten Blick über die Stadtanlage.

Norba war viel moderner als Rom. Es war eine der ersten Städte in Italien mit einem rechtwinkligen Straßennetz. Direkt unterhalb der kleinen Akropolis wurden erst kürzlich einige Häuser frei gelegt.  Man kann gut die Grundrisse mit einem Atrium und den darum gruppierten Räumen erkennen. Teilweise sind noch die Reste der Fussböden sichtbar. Beim Eingang wurden große Tongefäße als Vorratsspeicher in den Boden eingelassen.

Das Ausgrabungsgelände von Norba zeigt wie kein anderes den Aufbau einer vorrömischen Stadt und beeindruckt in seiner Verbindung mit dem Landschaftserlebnis. Ich empfehle auch noch einen Besuch im Archäologischen Museum, das täglich vormittags und am Wochenende auch nachmittags geöffnet ist.

Museo Civico Archeologico Norma

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