Cascata delle Marmore



Vor langer Zeit zog der Hirte Velino mit seinen Schafen über die Hochebene von Rieti. Dort entdeckte er die wunderschöne Nymphe Nera beim Bad in einer Quelle und verliebte sich sofort in sie. Nur langsam und schüchtern näherte er sich und die Nymphe zog sich immer wieder zurück. Als es schließlich zur ersten Berührung kommen sollte verwandelte die Göttin Juno, die mit wachsender Eifersucht das zarte Glück beobachte, Nera in Wasser, das unter den Händen Velinos verfloss. Der Hirte stürzte sich in seiner Verzweiflung von einem hohen Felsen. Doch Jupiter, der Gatte Junos, verwandelte auch ihn noch im Flug in einen Wasserlauf. So stürzt sich noch heute der Fluss Velino östlich von Terni in den Nera und bildet die Cascata delle Marmore, den höchsten Wasserfall Europas.

Tatsächlich verlief die Entstehung des Wasserfalls wesentlich pragmatischer, wenn auch vor sehr langer Zeit. Dem römischen Konsul Manius Curius Dentatus ist das hydrologische Meisterwerk zu verdanken. Denatus, der das Gebiet für Rom erobert hatte, setzte sich dafür ein die Sümpfe in der Hochebene von Rieti trocken zu legen und ließ dafür einen ca. 500 m langen Kanal, die Cava Curiana, bauen, mit dem das Wasser konzentriert über die Kante der Hochebene geleitet wurde und sich nun als mächtiger Wasserfall in die Valnerina ergoss. Damit begann jedoch ein Jahrhunderte alter Streit zwischen den Städten Rieti oberhalb des Wasserfalls und Terni unterhalb, wie viel Wasser denn von der Höhe ins Tal geleitet werden solle. Wir wissen dass Cicero sich auf die Seite Rietis schlug. Das Entwässerungssystem zerfiel im Mittelalter und wurde ab der Renaissance restauriert. Der Streit blieb. 1546 soll der berühmte Architekt Antonio da Sangallo von Rieti sogar vergiftet worden sein, da er der Stadt im Auftrag des Papstes zu viel Wasser entzog. Dabei war die Wasserregulierung auch immer im Interesse der Stadt Rom, den der Fluss Nera als größter Zufluss des Tibers war Hauptverantwortlich für Hochwasser in der Stadt.

Im 19, Jahrhundert begann ein weiterer Aspekt wichtig zu werden, die Energieerzeugung. Heute treibt das Wasser Turbinen an, wobei der Zufluss wird durch den natürlichen Lago di Piediluco sicher gestellt wird. Wenn das Kraftwerk pausiert, wird der See wieder aufgefüllt. So wechselt der Kanal vom See zum Velino mehrmals am Tag die Fließrichtung.

Heute konkurriert die Nutzung für die Energieerzeugung mit dem Tourismus. Und so sollte man sich vor einem Besuch auf der Homepage des Wasserfalls informieren, wann Wasser abgelassen wird und wann der Strom zum Rinnsal wird. Wobei das Ab- und Anstellen durchaus ebenfalls interessante Erlebnisse sind. Rund um den Wasserfall ist ein Erlebnispark entstanden, in dem es besonders in der Ferienzeit schwer fällt sich das Liebesspiel von Hirte und Nymphe in unberührter Natur vorzustellen. Doch die tosende Naturgewalt lohnt auf jeden Fall einen Besuch. Schöne Wanderweg erschließen Aussichtspunkte. Wer nicht die 165 Meter Unterschied vom Tal zum Berg hochsteigen möchte sollte den unteren Eingang an der SR 209 Richtung Norcia wählen. Der Pendelbus mit dem am oberen Eingang geworben wird ist meistens nicht in Betrieb.

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