Berninis Elefant


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In der Antike waren Elefanten in Rom nichts besonderes. Die Römer sahen sie bei Schaukämpfen im Kolosseum oder als Teilnehmer an Triumphzügen. Doch seit dem Untergang des Römischen Reichs kannte man die Rüsseltiere nur noch vom Hörensagen. Es sollte fast 1000 Jahre dauern bis wieder ein Dickhäuter die Ewige Stadt betrat.

Anfang des 16. Jahrhunderts stritten sich Spanien und Portugal um die Aufteilung der Welt. Dem Papst kam dabei eine wichtige Rolle zu. Er hatte den Vertrag von Tordesillas vermittelt, der den 46ten Längengrad als Grenze der Einflußsphären der zwei Staaten vorsah. So wurde für Portugal Afrika aber auch Brasilien gesichert. Spanien konnte sich den Rest von Nord- und Südamerika unter den Nagel reissen. Als Giovanni de’Medici 1513 zum Papst Leo X. gewählt wurde, wollte sich König Manuel von Portugal dessen Gunst sichern um im teuren Gewürzhandel mit dem Orient die Oberhand zu behalten. Da machen exquisite Geschenke einen guten Eindruck. Und so ließ der König aus dem indischen Cochin einen Elefanten anliefern.

Die Schiffsreise des Tiers bis nach Italien verlief relativ problemlos, doch der Landweg bis Rom verursachte erhebliche Aufregung. So stürzte in Tarquinia eine Herberge ein, die von Schaulustigen gestürmt wurde, um einen Blick auf den Elefanten zu erhaschen. Als der Papst seine Schweizer Garde dem Tross entgegen schickte erhöhte dies die Aufmerksamkeit nur. Schließlich konnte Leo doch am 19. März, also heute vor genau 495 Jahren sein Geschenk an der Engelsburg in Empfang nehmen. Er war restlos begeistert und taufte den Elefant auf den Namen Annone. Für die zwei Leoparden, den Panther und das Dutzend Papageien, die Annone begleiteten interessierte sich der Pontifex statt dessen nicht. Annone lebte fortan in den Vatikanischen Gärten und war der Star bei zahlreichen Festumzügen. Er wurde von vielen Künstlern, wie Raffael, porträtiert. Doch schon zwei Jahre nach seiner Ankunft erkrankte das Tier an einer Verstopfung. Die Leibärzte verabreichten ihm ein mit Gold versetztes Abführmittel, das jedoch doch die gegenteilige Wirkung hatte. Am 8. Juni 1516 starb Annone. Seine Knochen wurden 1962 bei Bauarbeiten im Vatikan wieder gefunden.

Annone, nach einer Zeichnung von Raffael

Es dauerte über hundert Jahre, bis der zweite Elefant Rom erreichte, über den wir weit weniger wissen. Er soll wohl im Hafen von Amsterdam Europa erreicht haben und wurde von Schaustellern durch Deutschland und Österreich von einem Jahrmarkt zum nächsten bis Italien gebracht. Im Mai 1630 erreichte er Rom und sorgte wieder für großes Aufsehen. Dieses Mal war es Gian Lorenzo Bernini, der Studien von dem eigenartigen Tier anfertigte.

elefante-minerva-002.jpgJahrzehnte später, 1665, grub man im Garten von Santa Maria sopra Minerva einen Obelisken aus. Die Kirche steht nicht nur über einem kleinen antiken Minervatempels, den größten Teil ihrer Fläche nahm einst der große Tempel für die ägyptische Göttin Isis, der kurz nach der Ankunft Kleopatras in Rom errichtet wurde, ein. Für die Ausstattung ließ man damals alte Obelisken aus der ägyptischen Stadt Saïs bringen. Nun stritt man sich in welcher Form man den einen Obelisken vor der Basilika aufstellen könnte. Domenico Paglia schlug vor die sechs Hügel aus dem Wappen von Papst Alexander VII. als Sockel zu nehmen und vier Hunde an ihre Seiten zu setzen. Ein heftiger Seitenhieb gegen die Dominikaner denen Santa Maria sopra Minerva gehörte, wurden diese doch als Domini Cani (Kettenhunde Gottes) verspottet. Und so kramte Bernini seine alten Zeichnungen des Elefanten hervor und schlug vor diesen als Sockel zu nehmen. Die Dominikaner waren auch damit nicht zufrieden. Konnte der schwere Obelisk auf dem Tier halten, wenn doch der Raum unter dem Bauch hohl sein sollte. Zweifel an den statischen Kenntnissen Berninis waren durchaus angebracht, mussten doch seine Glockentürmchen auf dem Petersdom rasch wieder abgerissen werden, nach dem sie Risse in der Fassade verursachten.

Bernini gab die Ausführung des Werks an Ercole Ferrata weiter. Der begab sich auf die sichere Seite, warf dem Elefanten eine Satteldecke über und versteckte darunter den massiven Sockel auf dem der Obelisk seit fast 400 Jahren stabil steht. Doch ihm gelang auch eines der reizendsten Kunstwerke Roms. Ein Elefant, der verschmitzt den Kopf zur Seite neigt, den Rüssel kringelt und zu grinsen scheint. Das plumpe Tier strahlt eine unglaubliche Leichtigkeit aus. Ob der Konflikt mit den Dominikanern dazu führte, dass das Tier dem Klostertor den Hintern zuwendet?

Ercole Ferrata stammte aus Como und arbeitete eine zeitlang in der Werkstatt Berninis. Als er den Elefanten schuf war er jedoch mit 57 Jahren längst ein gestandener Bildhauer, der für den Hof der Medici arbeitete. Doch es gelang ihm nie aus dem Schatten Berninis herauszutreten. Und so ist der kleine Elefant vor der Minerva noch heute als Floh des Bernini bekannt.

Der Obelisk aus rosa Granit ist mit 5,47 Metern der kleinste ägyptische Obelisk in Rom. Er bildete mit mindestens fünf weiteren eine Allee vor dem Isistempel. Sein Zwillingsobelisk steht heute in Urbino. Aufgestellt wurde er in der ägyptischen Stadt Sais für Pharao Apries, der 589 bis 570 v. Chr. regierte. Dieser Pharao kommt unter seinem hebräischen Namen Hophra auch in der Bibel vor. Wahrscheinlich wurde er fast 700 Jahre später, im 1 Jahrhundert n.Chr. nach Rom gebracht.

Stadtführung durch die Römischen Altstadt

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Der Elefant wurde 2012 umfassend renoviert und erstrahlt nun wieder in altem Glanz. Vor der Renovierung hatte er noch von Abgasen geschwärzte Ohren.

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