Pantheon

Iseum Campense

Torso der sog. Madama Lucrezia, vor San Marco, Rom

Torso der sogenannten Madama Lucrezia, vor San Marco, Rom

Spuren des großen ägyptischen Tempels der Isis in Rom.

Das antike Rom war die erste wahre multikulturelle Großstadt der Welt. Rom zog Zuwanderer aus allen Ecken und Winkeln der Welt an und die brachten ihre Gebräuche und Religionen mit an die Ufer des Tibers.

Eine noch heute prominente Wahlbürgerin auf Zeit war Kleopatra, die zwischen 46 und 44 v.Chr. ein luxuriöses Anwesen am nördlichen Stadtrand bezog. Ob ihr Einzug so verlief, wie ihn Liz Taylor im Film darstellte, wissen wir nicht. Aber zweifelsfrei löste die schöne Königin vom Nil einen Ägypten-Hype in Italien aus. Ägyptische Kunst wurde modern und mancher reicher Römer ließ sich sogar wie ein Pharao in einer Pyramide begraben.

Auch die ägyptischen Götter sickerten langsam in das Römische Reich ein. Vor allem der Kult der Isis fand schnell viele Anhänger. Isis, die den zerstückelten Leib ihres Bruders und Gatten Osiris wieder zusammensetzte und mit ihm den Gott Horus zeugte war die Muttergöttin, die vor allem Frauen bei vielen Problemen anriefen. Sie wurde damit auch Wegbereiterin für die Gottesmutter Maria. 43 v. Chr. wurde auf dem Marsfeld ein Tempel für Isis und Osiris gestiftet.

Doch der Vormarsch der Göttin vom Nil gelang nicht reibungslos. Anfangs wurde er vom Senat bekämpft. Als der Ritter Decius Mundus, als Anubis verkleidet, im Isistempel eine Frau vergewaltigte, nahm dies Kaiser Tiberius zum Vorwand den Tempel abzureisen und die Priester zu kreuzigen. Doch wohl schon sein Nachfolger Caligula erbaute den Tempel erneut und Priester und Priesterinnen gewannen gesellschaftliche Anerkennung zurück. Besonders die Flavische Kaiserdynastie war mit dem Kult um Isis und Osiris eng verbunden. Vespasian und Titus übernachteten vor Ihrem Triumphzug nach dem Sieg in Palästina sogar im Isistempel. Domitian ließ ihn nach einem Brand auf dem Marsfeld größer und prächtiger neu erstellen.

Fragmete des Marmorplans Forma Urbis, 3. Jhd. im Bereich des Isuem Campense

Fragmente des Marmorplans Forma Urbis, 3. Jhd. im Bereich des Isuem Campense

Heute ist der große Tempel komplett verschwunden. Aber dank einiger Fragmente des großen Marmorstadtplans aus dem 3. Jahrhundert haben wir doch eine gute Vorstellung davon wie er aussah und wo er genau lag. Der Tempelkomplex bestand aus drei Teilen. Im Süden lag das Serapeum. Im römischen Kulturkreis verschmolz Osiris mit dem heiligen Apis-Stier und wurde zu Serapis, der hier verehrt wurde. Dieses bestand aus einem halbkreisförmigen Säulengang, der zum eigentlichen Heiligtum führte. Dieser Serapistempel ist heute von der Kirche Santo Stefano del Cacco überbaut. Der Beiname „Cacco“ erinnert an eine Statue des Gottes der Weisheit Thot, der vor ihr aufgestellt war und von den Römern „Cacco“ = dummer Affe genannt wurde. In diesem Teil des Tempels standen zahlreiche original ägyptische Kunstwerke, die ihn fast zu einer Art ägyptisches Kunstmuseum machten. Viele davon sind heute über Museen der ganzen Welt verteilt. Vermutlich standen hier auch die zwei bekannten Monumentalstatuen des Nil und des Tiber, die heute im Vatikanischen Museum und im Louvre in Paris zu sehen sind.

Marmorfuss in der Via del Pie' di Marmo

Marmorfuss in der Via del Pie‘ di Marmo

Das Serapeum war vom eigentlichen Isistempel durch eine weite Halle abgetrennt. Sie entsprach der heutigen Via del Pie‘ di Marmo. Diese Straße hat ihren Namen von einem großen Marmorfuß der heute ans Eck der Via di Santo Stefano del Cacco geschoben ist. Er gehörte zu einer gigantischen Götterstatue, vermutlich eben Isis darstellend. Man betrat diese Halle durch zwei monumentale Triumphbögen. Der östliche wurde im Mittelalter Arco di Camigliano genannt und nach 1585 für die Erweiterung des Collegio Romano der Jesuiten abgetragen. Nur noch ein bescheidener Travertinstumpf ist an dem Haus an der Ecke zur Via del Pie‘ di Marmo zu sehen. Die letzten Reste des westlichen, noch größeren Bogens wurden erst 1872 beim Neubau eines Hauses am Eck Via del Gesù zerstört.

Nördlich schloss sich der Bereich des Isistempels an. Bei seiner Form müssen wir spekulieren. Er lag wohl in einem von einer Mauer umschlossenen Freibereich, der bis zur heutigen Via del Seminario ging.Der Tempel wurde, wie passend, mit einer Kirche für eine andere Gottesmutter überbaut. Allerdings war die Erinnerung an Isis wohl schon verschwunden, weshalb man die Kirche Santa Maria sopra Minerva nach dem weiter östlisch gelegenen Tempel der Minerva Chalcidica benannte.

Zum eigentlichen Tempel führte eine Allee mit mindestens sechs, vielleicht sogar acht Obelisken. Im Laufe der Zeit wurden einige wieder gefunden. Einer steht heute in Florenz, einer in Urbino, in Rom findet man noch vier.

  • Figur des Thoth im Vatikanischen Museum. Der sogenannte Cacco von Santo Stefano.

    Figur des Thoth im Vatikanischen Museum. Der sogenannte Cacco von Santo Stefano.

    Ganz in der Nähe hat Bernini den Obelisco della Minerva, Zwillingsobelisk jenes in Urbino, auf einen Elefanten gestellt. Der Obelisk aus rosa Granit ist mit 5,47 Metern der kleinste ägyptische Obelisk in Rom. Aufgestellt wurde er in der ägyptischen Stadt Sais für Pharao Apries, der 589 bis 570 v. Chr. regierte. Dieser Pharao kommt unter seinem hebräischen Namen Hophra auch in der Bibel vor.

  • Vor dem Pantheon steht der Obelisco Macuteo, der im 14. Jahrhundert wiedergefunden wurde und zuerst vor der Kirche San Macuto stand. Er war Ramses II gewidmet und stand einmal vor dem Sonnentempel in Heliopolis.
  • Sein Zwillingsobelisk, der Obelisco Mattei landete nach einer wechselvollen Geschichte in der Villa Celimontana. Leider sind nur noch 2,68 Meter original.
  • Als letzter wurde 1887 der Obelisco di Dogali zusammen mit seinem Zwilling, der sich heute im Boboligarten in Florenz befindet ausgegraben. Auch er war Ramses II. geweiht. Er steht heute als Erinnerung der Gefallenen der Schlacht von Dogali gegenüber des Bahnhofs Termini.
  • Der größte Obelisk, der wahrscheinliche in der Vorhalle stand, wurde bereits im 4. Jahrhundert in den Circus des Maxentius versetzt. Heute krönt er den Vierströmebrunnen auf der Piazza Navona.

In Rom findet man weitere Fundstücke, die einst im Iseum aufgestellt waren. Neben dem erwähnten Marmorfuss gehörte auch ein als „Madama Lucrezia“ bezeichneter Torso, der vor der Kirche San Marco an der Piazza Venezia steht, zu einer Statue der Isis. In der nach ihr bezeichneten Via del Gatto findet man eine Steinplastik, einer Katze am Sims eines Palastes. Das Gebäude ist heute die Residenz von Silvio Berlusconi. Auch die Löwen am Mosesbrunnen (Originale heute im Vatikanischen Museum) und am Aufgang zum Kapitol (Originale heute im Kapitolinischen Museum) stammen aus dem Isistempel. Zahlreiche weitere Statuen und Fragmente schmücken Museen auf der ganzen Welt.

Quellen:

Der Spiegel über Isis, www.romanoimpero.com
Ulrike Egelhaaf-Gaiser: Kulträume im römischen Alltag
Anne Roullet: The Egyptian and Egyptianizing Monuments of Imperial Rome
Boris de Rachewiltz: Roma egizia, Forma Urbis

siehe auch: Pantheon

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Antike Bebauung rund um das Pantheon, lila = Tempel des Osiris im Iseum Campense

Antike Bebauung rund um das Pantheon, lila = Tempel des Osiris im Iseum Campense

Das Iseum Campense im heutigen Stadtplan

Das Iseum Campense im heutigen Stadtplan

Kategorien:Pantheon

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