Via Appia

Grab der Scipionen

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Sarkophag des Scipio Barbatus

Das eindrückliche Grabmal der berühmten römischen Familie an der Via Appia Antica ist wieder zu besichtigen. Das in den Tuff gegrabene ca. 2300 Jahre alte Grab wurde in den letzten Jahren restauriert. Es befindet sich knapp innerhalb der Porta San Sebastiano, dem Tor der Via Appia.

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Grundriss der Grabanlage, Quelle Wikipedia Commons

Da waren die Gebrüder Sassi überrascht, als sie unter ihrem Haus an der Porta San Sebastiano den Weinkeller erweitern wollten. Im Jahr 1780 hatten sie durch Zufall eine große antike Grabanlage entdeckt. In dunklen Gängen standen zahlreiche massive Sarkophage. Die zwei Priester Sassi konnten leider die lateinischen Inschriften nicht entziffern. Sie erkannten aber, dass sie sehr alt waren. So beschlossen sie die Inschriften aus den Sarkophagen zu brechen und zu verkaufen. Auch als die Behörden auf den Fund aufmerksam gemacht wurden, fand die Zerstörung kein Ende. Papst Pius VI. besichtigte persönlich die Stätte und befahl die Überreste der Leichen, offensichtlich alles Heiden, in alle Winde zu zerstreuen. Einen Ring mit eingravierter Siegesgöttin, offenbar einem Toten vom Finger gezogen, schenkte der Papst dem französischen Reisenden Dutens. Die Überbleibsel der Sarkophage landeten danach fast komplett in den Vatikanischen Museen. Heute sieht man vor Ort gut gemachte Kopien.

1926 erwarb schließlich die Stadt Rom das Gelände. Man machte darauf weitere Ausgrabungen und versuchte das Grabmal soweit wie möglich in den Originalzustand zurück zu versetzen. 2008 bis 2011 wurden weitere Sanierungen vorgenommen. Jetzt können wir Ihnen dieses beispielhafte Grab einer der führenden römischen Familien bei einer Führung wieder zeigen. Es bietet sich an, dabei auch das nahegelegene Columbarium des Pomponius Hylas zu besichtigen.

Die Scipionen waren eine der einflussreichsten Familien der römischen Republik, d.h. der letzten drei Jahrhunderte vor Christi Geburt. Der Gründer des Zweigs der großen Familie der Cornelier war Lucius Cornelius Scipio Barbatus, der auch die Grablege begründete, Er bekleidete verschieden politische Ämter und erweiterte das römische Reich nach Süditalien. Er starb zwischen 280 und 270 v.Chr. Sein Sarkophag ist der einzige, der fast vollständig erhalten ist. Das Original steht heute oberhalb der Simonetti-Treppe am Beginn des Rundgangs durch die Vatikanischen Museen. Die Inschriften auf diesem Sarkophag und dem seines Sohns, die Scipionenelogien, gelten als älteste lateinische Gedichte. Über der Kopie im Grab ist noch das in die Felsendecke gestemmte Loch sichtbar durch das man den Sarkophag heraus hievte.

Die bekanntesten Scipionen sind jedoch Scipio Africanus der Ältere und Scipio Africanus der Jüngere. Die Sieger des zweiten und dritten Punischen Krieges. Wobei der erste auf seinem Landgut in Kampanien bestattet wurde. Insgesamt standen 30 Sarkophage in den Nischen. Die Scipionen pflegten anders als die meisten ihrer Zeitgenossen die Ganzkörperbestattung. Erst die Cornelii Lentuli, die das Grabmal von den Scipionen in der Zeit von Augustus übernahmen kehrten zur Feuerbestattung zurück und hinterließen einige Urnen.
Rekonstruktion der Fassade, Filippo CoarelliScipio Barbatus lies vielleicht einen bestehenden Steinbruch als Familiengrab ausbauen. Es befand sich an einer kleinen Verbindungsstraße zwischen der Via Appia und der Via Latina, damals noch außerhalb der alten Stadtmauer. Wie Cicero beschrieb sah man die prächtige Fassade jedoch wenn man die Stadt über die Via Appia verließ. Sie soll mit zwei Statuen der Scipionen und einer Statue des Dichters Ennius, der ebenfalls hier begraben wurde, geschmückt gewesen sein. Nur der Sockelbereich ist von der Fassade noch erhalten. Ein, in die Anlage eingebauter Kalkofen erinnert daran, dass die Marmorfassade im Mittelalter wohl zu Kalk verbrannt wurde. Bereits in der römischen Kaiserzeit, als die Stadt sich immer weiter ausbreitete, wurde die Grabanlage mit einem großen Wohnhaus überbaut. Dessen Reste sind gut sichtbar. Darüber entstand das mittelalterliche Haus der Familie Sassi.

Bei der archäologischen Untersuchung 1926 stieß man außerdem auf eine kleine Katakombe sowie ein großes unterirdisches Columbarium. Eine große Anlage für Urnenbestattungen. Eigenartigerweise wurden die Nischen der Urnen nie beschriftet, obwohl Namensfelder angelegt wurden. Wahrscheinlich wurde dieses Grab aus unbekanntem Grund nie genutzt. Weitere antike Gräber befinden sich in der Nähe. Das schönste das Columbarium des Pomponius Hylas kann in eine Besichtigungstour mit einbezogen werden.

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Quellen: Es gibt einen sehr ausführlichen Wikipediaartikel, außerdem Ernst Zacharias Platner, Beschreibung der Stadt Rom, Band 3, S. 612, J.G.Cotta 1837

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Eingang von der via della Porta San Sebastiano

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Fassadendetail

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Haus der Gebrüder Sassi

Kategorien:Via Appia

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