Vatikan

Eine kleine Geschichte des Windes

Petersplatz

Petersplatz nach der Papstaudienz

Die Windrose auf dem Petersplatz – West Ponente

Roma 012An einem Tag wie heute, an dem die Sonne ihre geballte Energie aufs Straßenpflaster donnert und kein Lufthauch Erleichterung bringt, habe ich das Bedürfnis eine kleine Geschichte über den Wind zu schreiben. Als erstes geht mir eine Filmszene aus dem „Englischen Patienten“ durch den Kopf, in der der Graf Almásy, der unwiderstehliche Ralph Fiennes seiner Katherine, der nicht minder unwiderstehlichen Kristin Scott Thomas, die Geschichte der Winde der Sahara erzählt, wie sie der antike griechische Geograph Herodot beschrieb. Ganz großes Kino.

Doch wer das Buch (oder den Film) Illuminati kennt, weiß, dass es auch in Rom eine Geschichte der Winde gibt. Vielmehr, er ahnt es vielleicht höchstens. Da Dan Brown ziemlich schlecht bis gar nicht für seinen Thriller recherchiert hat, gibt die Marmortafel mit der Aufschrift „West Ponente“ ganz zusammenhangslos den Schauplatz für den Mord an einem Kardinal her. Da hat Dan Brown eine Geschichte wie im Englischen Patienten verschenkt. Der Leser erfährt nichts über die Bedeutung des Ponente und dass die Marmortafel nur eine von 16 Steinen einer großen Windrose ist, die um den majestätischen Obelisken auf dem Petersplatz liegt. Falls ihr mal dort seid, schaut sie euch an und ihr wisst, aus welcher Richtung der Wind weht.

130208 267 West Ponente

Tafel West Ponente auf dem Petersplatz

Der Ponente eben aus Westen. Der Name kommt von ponere = setzen, also der Richtung in der sich die Sonne setzt. Und er sollte eigentlich jetzt im Sommer für Abkühlung sorgen und sanft kühle Luft vom Atlantik her transportieren.

Ihm entgegen kommt der Levante (levare = erheben). Der Ostwind gilt als Schönwetterwind, der die Luft reinigt der aber auch heftig sein kann. 1562 trieb der Levante die Flotte des Königs von Neapel gegen die Felsen der Punta de la Mona bei Granada. Dabei sanken 25 Schiffe und es ertranken 5000 Seeleute.

Geht man im Uhrzeigersinn vom Ponente weiter, trifft man auf den Maestro, der in Frankreich als Mistral bekannt ist. Er bringt im Winter kühle Polarluft nach Italien und manchmal sogar Schnee, aber auch klare Sicht.

Dann folgt die Tramontana, der kälteste Wind, der direkt aus dem Norden von den Alpen kommt. Allerdings tritt er nur selten auf.

Aus Nordwest bläst das ganze Jahr der Greco, kühl und trocken, und oft heftig. Er hat seinen Namen von der Insel Zakynthos, denn wenn man sich dort befindet, dann kommt er aus Griechenland.

130208 272 Ostro Scirocco

Tafel Ostro Scirocco auf dem Petersplatz

Den Levante habe ich schon vorgestellt. Auf ihn folgt der Scirocco, ein schwül-heisser Sommerwind. Er färbt den Himmel gelb mit dem Sand, den er aus der Sahara mit sich führt und der sich überall knirschend niederlegt. Er ist mit dem Gibli identisch, von dem Graf Almàsy spricht.

Der Ostro weht ganz aus dem Süden. Er ist nicht stark, aber heiß und feucht und läßt die Menschen nachts nur schlecht schlafen.

Schließlich kommt der Libeccio aus Südwest, aus Lybien auch er ist warm, aber viel frischer und angenehmer, allerdings auch stärker als der Scirocco.

Wenn ihr auf dem Petersplatz seid, dann steckt den Finger in die Luft und ihr könnt sehen woher der Wind weht.

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