Südlich von Rom

Sermoneta Santa Maria Assunta

sermoneta gozzoli 02

Gozzolis Madonna mit Engeln in Sermoneta

GozzoliUnser Silvesterausflug führte uns in die Lepinischen Berge, zu den kleinen Städtchen Norma und Sermoneta. Besonders Sermoneta bewahrt eine intakte mittelalterliche Altstadt, die sich rund um einen Ausläufer der Berge mit dem Castello Caetani an der Spitze erstreckt. Das moderne Sermoneta liegt einige Kilometer entfernt in der Ebene am Bahnhof.

Sermoneta besteht seit der Antike und wurde bereits von Vergil (70 – 19 v.Chr.) unter dem Namen Sulmo erwähnt. Nach der Völkerwanderungszeit blieb nur ein kleines Dorf übrig, das kleine Sulmo, Sulmonetta, aus dem sich der heutige Name entwickelte. 1297 kaufte Papst Bonifatius VIII. den Ort für 140.000 Golddukaten für seine Familie, die Caetani. Diese errichteten die mächtige Burg und machten sie zum Zentrum ihres Herrschaftsgebiets. Die Blütezeit von Sermoneta begann.

Das Castello ist ein beliebtes Ausflugsziel, jedoch nicht am 31.12., wenn sich jeder auf die Silvesterparty vorbereitet. Daher war die Burg geschlossen. Gelegenheit um der Pfarrkirche Santa Maria Assunta einen Besuch abzustatten, die im 13. Jahrhundert entstand. Die Jungfrau Maria verdrängte eine andere mystische Mutter, Kybele. Die Reste ihres Tempels wurden für ihre Kirche überbaut. Der Stil der Kirche orientiert sich am nahen Zisterzienserkloster Fossanova. Besonders schön ist der Campanile, der, wie im südlichen Latium üblich, mit bunten Keramiktellern geschmückt ist.

Das wichtigste Kunstwerk findet man gleich in der ersten Kapelle links, der Capella de Marchis. Zwischen 1452 und 1458 malte Benozzo Gozzoli für den Altar eine wunderschöne Madonna in goldenem Mantel, bekrönt mit einer päpstlichen Tiara. Sie ist von einer Schar Engeln umgeben, die teilweise sogar wie Ritter bewaffnet sind und so die Stadt Sermoneta beschützen. Einige Engel breiten Spruchbänder aus. Oben links zeigt ein Engel ein Motto, das aktueller kaum sein könnte: „Schadet der Erde und dem Meer nicht.“ Die Madonna birgt die Stadt Sermoneta zwischen ihren Armen auf ihrem Schoß. Eine Stadt reich an Türmen. Ganz rechts der Turm unter dem das Bild hängt, noch mit einer Pyramide und Turmspitzen verziert, die 100 Jahre später durch Blitzschlag zerstört wurden. Auch viele der anderen Türme haben den Lauf der Zeit nicht überstanden.

Benozzo Gozzoli wurde 1421 oder 1422 in Florenz geboren und war Schüler des Frau Angelico mit dem er 1447 nach Rom kam um unter anderem im Jahr darauf die Cappella Niccolina im Vatikan auszumalen. In ersten eigenen Werken entwickelte er den Stil seines Meisters fort. Eines dieser Gemälde ist das in Sermoneta, das vom Thema noch der Gotik verhaftet ist, doch mit der Darstellung der Madonna und vor allem der Engel in die Renaissance weist. 1459 kehrte Gozzoli nach Florenz zurück, wo er sein bekanntestes Werk, den Zug der Heiligen Könige im Palazzo Medici schuf. Sich selbst schmuggelte er ebenfalls in das Gefolge der Könige. Die Engel an der Krippe ähneln denen in Sermoneta aufs Haar.

Die Madonna schien jedoch der Stadt Sermoneta kein Glück zu bringen. Am 22. September 1499 beschlagnahmte der Borgiapapst Alexander VI. die Stadt und schenkte sie seiner Tochter Lukrezia. Die Caetani bekamen die Herrschaft zwar nach dem Ende der Borgia zurück, residierten aber nun in Rom. Der Niedergang des Ortes begann. Erst mit der Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe in den 1930er Jahren begann der Wiederaufschwung.

Wir haben übrigens sehr gut im Restaurant Poli direkt an der Hauptstraße gegessen. Eigentlich war wegen der Vorbereitung des Silvestermenüs geschlossen. Man ließ uns netterweise trotzdem ein und tischte eine gewaltige Antipastiplatte auf (besser eine zu zweit teilen). Auch das Rinderfilet war von ausgezeichneter Qualität und der Preis, inklusive lokalem Rotwein und Kaffee mit Weihnachtsplätzchen für 25€ pro Person fair.

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